
Stadecken-Elsheim – Regungslos stehen die Karatekas in vier geraden Reihen in der Selztalhalle, die Augen konzentriert und erwartungsvoll auf den „Sensei“ gerichtet, den Meister Marjan Glad. Dann sein Kommando: „Hajime!“. In die weißgekleideten Kämpfer kommt explosionsartig Leben. Mit Tritten, Blöcken und Fauststößen – alle gleichzeitig und nach einem festen Muster - traktieren sie unsichtbare Gegner und beenden den Kampf schließlich mit einem markerschütternden Schrei - dem „Kiai“, der ihren Schlägen noch mehr Kraft geben soll.
Marijan Glad, Träger des 6. Dan, Ex-Mitglied der deutschen Kata-Nationalmannschaft, mehrfacher Europameister und Vize-Weltmeister, macht seinem Spitznamen alle Ehre: „Mister Dynamic“. „Bei mir war immer Action“, erklärt er und lacht. „Ich hab's gerne, wenn es knallt.“ Karate als bloße Show ist allerdings nicht sein Ding. Er nimmt den traditionellen Kampfsport aus Japan sehr ernst. Für Glad ist er mehr als Selbstverteidigung. Es gehe auch um Dinge wie Respekt, Selbstdisziplin und: „Du kannst den ganzen Stress abbauen. Wo sonst kann man so laut schreien?“
Sie schreien viel, die rund 60 Teilnehmer des Lehrgangs, zu dem der Bushido Selztal e.V. am Samstag, den 27. August 2011, eingeladen hatte. Und sie schwitzen. Karate ist anstrengend. „Ich hatte zwischendrin voll den Hänger“, sagt der 16-jährige Gelbgurtträger Torben Grubert. „Aber am Schluss bin ich super mitgekommen.“ „Marijan Glad trainiert nicht nur den Körper, sondern auch den Geist“, ergänzt Braungurtträger Johnny Durant. Karate erfordert Konzentration. Wer nicht aufpasst, bleibt bei den oft komplizierten Bewegungsabläufen auf der Strecke. Für Glad und für den Lehrgang ist Durant zusammen mit seinem Sohn deshalb extra die 238 Kilometer aus Wipperfürth im Oberbergischen Kreis nach Stadecken-Elsheim gefahren. Und es hat sich gelohnt, findet er. Torben hat besonders das „Einheitsgefühl“ gefallen, weil so viele Karate-Schüler gemeinsam trainiert haben.
Marijan Glad kennt das Gefühl schon länger. Seit 1970 macht er Karate, seit 1983 ist er Trainer. Seine Philosophie: „Ich nehme einen Samen und pflanze ihn bei den Schülern ein. Und die müssen dann schauen, dass er wächst.“ Ein Lachen und schon verschwindet der gebürtige Kroate aus Ludwigshafen wieder in der Halle. Dort wartet die Oberstufe, also die Träger der violetten bis schwarzen Gürteln. „Block, block, Konter, Gyaku-Zuki“, ruft ihnen „Mister Dynamic“ wenig später zu. Und sofort gehen die Karatekas aufeinander los – natürlich schreiend, gleichzeitig und nach festen Regeln. Trotzdem, oder gerade deshalb: Verletzt hat sich auch bei diesem Lehrgang wieder niemand.